Revision [e38694b]
Letzte Änderung am 2013-07-08 17:32:41 durch PiaLaufkoetter
ADDITIONS
A, der einen Spielwarenladen betreibt, hat dem P Prokura erteilt. Die Prokura ist im Handelsregister eingetragen. Als P wiederholt für A Kinderspielzeug bestellt, das sich als unverkäuflich erweisen, untersagt A dem P den Einkauf, sofern die jeweilige Einkaufssumme 10.000,- € überschreitet. Wenig später kauft P beim Großhändler G im Namen des A 100 Spielzeugautos. P offenbart in diesem Zusammenhang dem G die Beschränkung der Prokura, woraufhin dieser zwei Verträge über je 50 Autos zu je 6.000,- € anfertigt, die P unterschreibt. G verlangt von A Zahlung von insgesamt 12.000,- € und Abnahme der Spielzeugautos.
Der Auszubildende A verkauft im Philateliegeschäft des K ohne dessen Zustimmung eine Serie altdeutsche Briefmarken für 400,- € an den Sammler S. Im Gegenzug möchte S zwei englische Marken mit schönem Motiv aus dem Jahr 1898 aus seiner Sammlung für 150,- € verkaufen. A nimmt dieses Angebot an, worauf S 250,- € in bar entrichtet. K, der schon häufiger Scherereien mit S wegen zweifelhafter oder mangelhafter Ware hatte, ist mit dem Ankauf der Briefmarken durch A nicht einverstanden. Er geht auch davon aus, dass der Wert der englischen Briefmarken unter 80 € liegt. Er fordert von S die Rückgabe der Serie altdeutscher Briefmarken, wenigstens aber die Zahlung von 150,- €. S meint, zur Zahlung nicht oder nur gegen Rückgabe seiner englischen Briefmarken verpflichtet zu sein.
In Abwesenheit des Geschäftsinhabers K überbringt Lieferant L Ware, die K bei L bestellt hatte. Anwesend ist nur die Angestellte V, der K Handlungsvollmacht erteilt hat. Weil L auf sofortige Bezahlung besteht, indossiert V mit eigenem Namen unter dem Firmenstempel des K einen Wechsel über den geforderten Betrag von 5.000,- €. Den Wechsel hatte K von seinem Großkunden G indossiert bekommen. Der Wechsel ist an Order des G gezogen und weist X als Bezogene und Akzeptanten aus. L indossiert den Wechsel an B. Als B am Fälligkeitstag den X aus dem Wechsel in Anspruch nimmt, kann X nicht zahlen. Nach Wechselprotest nimmt B den K aus dem Wechsel in Anspruch.
(alle Fälle nach [Saar/Müller, 35 Klausuren aus dem Handels- und Gesellschaftsrecht, 3. A. 2006](http://www.beck-shop.de/Saar-Mueller-35-Klausuren-Handels-und-Gesellschaftsrecht/productview.aspx?product=818548)).
>>>>**c. P hat keine Befugnis zu Geschäft im Innenverhältnis**
_G hat somit keinen Anspruch auf Zahlung von insgesamt 12.000,- € und Abnahme der Spielzeugautos aus § 433 II BGB gegen A._
##### <span style="color:#088A08">Fall 2:</span>
**Ansprüche des K gegen S**
_K könnte einen Anspruch auf Rückgabe und Rückübereignung der altdeutschen Briefmarken aus § 812 I 1 Var. 1 BGB gegen S erlangt haben._
>>**D. Anspruch entstanden?**

>>>**1. Kaufvertrag zwischen K und S geschlossen? ( + )**

>>>>**a. Angebot des S**
>>>>**b. Annahme des Angebots durch A**

>>>>> **aa. A = Angestellter (Ladenangestellter) [**§ 56 HGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__56.html)**
>>>>> **bb. Verkauf von Briefmarken üblich in Philateliegeschäft**
>>>>> **cc. A besitzt Vollmacht zum Verkauf**
>>>>> **dd. Kaufvertrag zwischen A und S**

>>>>**c. Kaufvertrag wirksam**

>>>**2. Anspruch ( - )**
_Es besteht kein Anspruch von K gegen S auf Rückgabe und Rückübereignung der altdeutschen Briefmarken aus § 812 I 1 Var.1 BGB_
_K könnte Anspruch auf Zahlung von 150,- &#8364;; aus § 433 II BGB gegen S haben._
>>**E. Anspruch entstanden?**

>>>**1. Leistungserfüllung gemäß [§ 363 Abs. 1 BGB](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__363.html) ( + )**

>>>>**a. S zahlt 250,- &#8364;**
>>>>**b. Erfüllung im Umfang der 250,- &#8364;**

>>>**2. Leistungserfüllung der restliche Kaufpreisschuld durch Aufrechnung [§ 387 BGB](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__387.html) erfolgt?**

>>>>**a. gegenseitige Geldforderungen?**

>>>>> **aa. wirksamer Kaufvertrag?**

>>>>>> **- Angebot des S ( + )**
>>>>>> **- Annahme durch A ( + )**
>>>>>> **- A = Ladenangesteller ( + )**
>>>>>> **- Ankäufe nach [**§ 56 HGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__56.html) ausgeschlossen!**
>>>>>> **- weitere Ermächtigung des A durch K ( - ) &#8594; siehe Sachverhalt**
>>>>>> **- Willenserklärung des A wirksam ( - )**
>>>>>> **- Annahme des Angebots durch K ( - ) [**§ 177 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__177.html)**

>>>>> **bb. Kaufvertrag ( - )**

>>>>**b. keine Aufrechnungslage**
>>>>**c. S befreit von Kaufpreisschuld iHv. 150,- &#8364; ( - ) [§ 398 BGB](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__398.html)**

_K hat einen Anspruch gegen S auf Zahlung von 150,- &#8364; aus § 433 II BGB._
**Anspruch S gegen K**
_S könnte Anspruch auf Übergabe und Rückübereignung der englischen Briefmarken nach § 812 I 1 Var. 1 BGB gegen K haben._
>>**F. Anspruch entstanden?**

>>>**1. Übereignung gemäß §§ 929 Satz 1, 855 BGB**

>>>>**a. K erlangt Eigentum und Besitz durch Leistung des S ( + )**
>>>>**b. A (Ladenangestellter) ermächtigt ( + ) [§ 56 HGB](http://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__56.html)**

>>>**2. wirksamer Kaufvertrag ( - ) &#8594; siehe oben**
>>>**3. Eigentum und Besitz rechtmäßig erworben ( - )**
>>>**4. Anspruch ( + )**


_S hat gegen K einen Anspruch auf Übergabe und Rückübereignung der englischen Briefmarken aus § 812 I 1 Var. 1 BGB._
##### <span style="color:#088A08">Fall 3:</span>
_B könnte einen Anspruch auf Zahlung von 5000,- &#8364; aus dem Wechsel gegen K aus Art. 43 WG haben._
>>**G. Anspruch entstanden?**

>>>**1. B hat einen formgültigen Wechsel in Besitz**
>>>**2. Rückgriff**

>>>>**a. Wechsel G nach Art. 43 I, 38 I WG ordnungsgemäß vorgelegt ( + )**
>>>>**b. G zahlt ( - )**
>>>>**c. Wechsel nach Art. 43 WG Not leidend ( + )**
>>>>**d. B rechtzeitig förmlichen Protest (Art. 44, 53 I WG) ( + )**
>>>>**e. B Eigentümer des Wechsels?**

>>>>> **aa. ursprünglich Eigentümer G**
>>>>> **bb. Eigentumsübertragung an K § 929 S. 1 BGB?**

>>>>>> **- Eigentumsübertragung zwischen V und L**
>>>>>> **- V handelt im Namen des K**
>>>>>> **- V = Handlungsvollmacht**
>>>>>> **- Welchselübertragung = außerordentliches Geschäft**
>>>>>> **- V hat Berechtigung zur Annahme ( - ) [**§ 54 Abs. 2 HGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__54.html) [**§ 56 HGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__56.html)**

>>>>> **cc. kein Erwerb durch K nach §§ 929, 932 BGB**

>>>>>> **- Wechsel nach [**§ 935 Abs. 1 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__935.html) abhanden gekommen ( + )**
>>>>>> **- K Besitz ohne oder gegen seinen Willen verloren ( + )**
>>>>>> **- V Besitzer ( - )**
>>>>>> **- Übergabe V an L = Abhandenkommen Wechsel von K !!**

>>>>> **dd. gutgläubiger Erwerb des Wechsels von B ( + ) Art. 16 Abs. 2 WG**

>>>>>> **- Mangel des Begebungsvertrages für B bekannt ( - )**
>>>>>> **- B grob fahrlässig nicht erkannt ( - )**

>>>>**f. Rückgriff scheitert an Voraussetzungen!**

>>>**3. Wechselverpflichtung**

>>>>**a. Skripturakt und Begebungsvertrag**

>>>>> **aa. Vertretung K durch V**

>>>>>> **- Stellvertretungsverhältnis aus Wechselurkunde ersichtlich ( + )**
>>>>>>> &#8594; Unterschrift des V
>>>>>> **- Genehmigung durch K ( - ) §§ 177 Abs. 1, 184 Abs. 1 BGB**
>>>>>>> &#8594; Zahlungsverweigerung = weitere Genehmigungsverweigerung
>>>>>> **- V hatte Vertretungsmacht ( - )**

>>>>> **bb. Haftung aus Rechtsschein ( - )**

>>>>>> **- durch Begebungsvertrag oder durch Skripturakt ein Rechtsschein entstanden**
>>>>>> **- K selbst gehandelt ( - )**
>>>>>> **- V durch Vollmacht gehandelt ( - )**
>>>>>> **- keine Haftung durch Rechtsschein**

_K haftet nicht aus dem Wechsel._
DELETIONS
A, der einen Spielwarenladen betreibt, hat dem P Prokura erteilt. Die Prokura ist im Handelsregister eingetragen. Als P wiederholt für A Kinderspielzeug bestellt, das sich als unverkäuflich erweisen, untersagt A dem P den Einkauf, sofern die jeweilige Einkaufssumme 10.000,- überschreitet. Wenig später kauft P beim Großhändler G im Namen des A 100 Spielzeugautos. P offenbart in diesem Zusammenhang dem G die Beschränkung der Prokura, woraufhin dieser zwei Verträge über je 50 Autos zu je 6.000,- anfertigt, die P unterschreibt. G verlangt von A Zahlung von insgesamt 12.000,- und Abnahme der Spielzeugautos.
Der Auszubildende A verkauft im Philateliegeschäft des K ohne dessen Zustimmung eine Serie altdeutsche Briefmarken für 400 &#8364; an den Sammler S. Im Gegenzug möchte S zwei englische Marken mit schönem Motiv aus dem Jahr 1898 aus seiner Sammlung für 150 &#8364; verkaufen. A nimmt dieses Angebot an, worauf S 250 &#8364; in bar entrichtet. K, der schon häufiger Scherereien mit S wegen zweifelhafter oder mangelhafter Ware hatte, ist mit dem Ankauf der Briefmarken durch A nicht einverstanden. Er geht auch davon aus, dass der Wert der englischen Briefmarken unter 80 &#8364; liegt. Er fordert von S die Rückgabe der Serie altdeutscher Briefmarken, wenigstens aber die Zahlung von 150 &#8364;. S meint, zur Zahlung nicht oder nur gegen Rückgabe seiner englischen Briefmarken verpflichtet zu sein.
3. (zur Vertiefung) In Abwesenheit des Geschäftsinhabers K überbringt Lieferant L Ware, die K bei L bestellt hatte. Anwesend ist nur die Angestellte V, der K Handlungsvollmacht erteilt hat. Weil L auf sofortige Bezahlung besteht, indossiert V mit eigenem Namen unter dem Firmenstempel des K einen Wechsel über den geforderten Betrag von 5.000,-. Den Wechsel hatte K von seinem Großkunden G indossiert bekommen. Der Wechsel ist an Order des G gezogen und weist X als Bezogene und Akzeptanten aus. L indossiert den Wechsel an B. Als B am Fälligkeitstag den X aus dem Wechsel in Anspruch nimmt, kann X nicht zahlen. Nach Wechselprotest nimmt B den K aus dem Wechsel in Anspruch. (alle Fälle nach Saar/Müller, 35 Klausuren aus dem Handels- und Gesellschaftsrecht, 3. A. 2006).

>>>>**c. P hat keine Befugnbis zu Geschäft im Innenverhältnis**
_G hat somit keinen Anspruch auf Zahlung von insgesamt 12.000,- und Abnahme der Spielzeugautos aus § 433 II BGB gegen A._
2. Fall
Ansprüche des K gegen S
I. Anspruch des K gegen S auf Rückgabe und Rückübereignung der altdeutschen Briefmarken aus § 812 I 1 Var. 1 BGB
1. S hat Besitz und Eigentum an den Briefmarken durch Leistung von K erlangt.
2. Als Rechtsgrund kommt ein Anspruch von S gegen K aus § 433 I BGB in Betracht.
S hat eine Erklärung zum Abschluss eines Kaufvertrages mit K abgegeben.
K hat keine Erklärung abgegeben. A hat eine eigene Erklärung namens des K abgegeben, § 164 I BGB. Weil A mit Wissen und Wollen von K in dessen Laden verkaufsbezogen tätig ist, handelte A als Ladenangestellter, [**§ 56 HGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__56.html). Der Verkauf von Briefmarken ist im Laden von K üblich, so dass A zum Abschluss des Vertrages mit S ermächtigt ist.
Es besteht kein Anspruch von K gegen S auf Rückgabe und Rückübereignung der altdeutschen Briefmarken aus § 812 I 1 Var.1 BGB
II. Anspruch des K gegen S auf Zahlung von 150 &#8364; aus § 433 II BGB
1. Die Forderung von K gegen S aus einem wirksam geschlossenen Kaufvertrags über die altdeutschen Briefmarken i.H.v. 400 &#8364; ist im Umfang von 250 &#8364; durch Erfüllung erloschen, § 363 I BGB.
2. Die restliche Kaufpreisschuld im Umfang von 150 &#8364; könnte infolge einer Aufrechnung (§§ 398 ff. BGB) durch S erloschen sein.
a) Zwischen S und K besteht eine Aufrechnungslage, wenn S gegen K eine Geldforderung hat, [**§ 387 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__387.html).
aa) S hat ein Angebot zum Abschluss eines Kaufvertrages mit K über die Lokomotive gegenüber A abgegeben. Das Angebot des S ist K nach §§ 164 II BGB, 56 HGB zugegangen.
K hat die Annahme des Angebots nicht erklärt.
bb) A, der das Angebot des S namens des K angenommen hat, war zur Annahme nicht nach [**§ 56 HGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__56.html) berechtigt, weil die Vorschrift nicht für Ankäufe gilt und insofern auch nicht analogiefähig ist. Eine Ermächtigung des A nach § 54 I Var. 3 HGB durch K ist nicht ersichtlich, weil K dem A den Ankauf gebrauchter Ware nicht übertragen hat.
Mangels Vertretungsmacht wirkte die Annahme durch A nicht nach § 164 I BGB gegenüber K.
cc) K hat das Vertretergeschäft nicht genehmigt, [**§ 177 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__177.html).
b) Zwischen S und K ist kein Kaufvertrag über das Modell zustande gekommen.
c) Mangels Aufrechnungslage ist S nicht nach [**§ 398 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__398.html) im Umfang von 150 &#8364; von der Kaufpreisschuld befreit.
K hat einen Anspruch gegen S auf Zahlung von 150 &#8364; aus § 433 II BGB.
Anspruch S gegen K
III. Anspruch von S und K auf Übergabe und Rückübereignung der englischen Briefmarken nach § 812 I 1 Var. 1 BGB
K hat Eigentum und Besitz an den Briefmarken durch Leistung von S erlangt. Die Übereignung geschah nach §§ 929 S. 1, 855 BGB, wobei A insoweit nach [**§ 56 HGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__56.html) als ermächtigt galt.
Weil zwischen K und S ein Kaufvertrag über die Briefmarken nicht zustande gekommen ist, hat K Eigentum und Besitz ohne Rechtsgrund erworben.
S hat gegen K einen Anspruch auf Übergabe und Rückübereignung der englischen Briefmarken aus § 812 I 1 Var. 1 BGB.
Fall 3:
B könnte einen Anspruch auf Zahlung von 5000,- aus dem Wechsel gegen K aus Art. 43 WG haben.
1. B hat einen formgültigen Wechsel in Besitz.
2. Voraussetzungen des Rückgriffs:
Der Wechsel wurde dem G nach Art. 43 I, 38 I WG ordnungsgemäß zur Zahlung vorgelegt. Weil G nicht gezahlt hat, ist der Wechsel nach Art. 43 WG Not leidend.
B hat nach Art. 44, 53 I WG rechtzeitig förmlichen Protest erhoben.
B ist materiell berechtigt, wenn er Eigentümer des Wechsels ist.
Eigentümer des Wechsels war ursprünglich der Aussteller G. G hat das Eigentum nach § 929 S. 1 BGB auf K übertragen.
Der Wechsel kann nach § 929 S.1 BGB an L übereignet worden sein. V und L haben sich über den Eigentumsübergang geeinigt, wobei V im Namen des K gehandelt hat. V war jedoch weder nach § 54 II HGB noch nach [**§ 56 HGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__56.html) zur Übereignung des Wechsels ermächtigt.
Ein Erwerb des Eigentums durch L nach §§ 929, 932 BGB tritt nicht ein, wenn der Wechsel dem K nach § 935 I BGB abhanden gekommen ist, § 935 I 1 BGB. Das ist der Fall, wenn K den Besitz ohne oder gegen seinen Willen verloren hat. Zur Zeit der Hingabe hatte nur V Zugriff auf den Wechsel; weil V Besitzdienerin ist, war jedoch nur K Besitzer, §§ 854 I, 855 BGB. Mit der Übergabe an L durch V, ist dem K der Wechsel abhanden gekommen. § 935 I BGB findet wegen § 935 II BGB bei Inhaberpapieren keine Anwendung. Der blanko indossierte Wechsel kann wie ein Inhaberpapier übertragen werden; ein solcher Wechsel ist aber ein Orderpapier, so dass § 935 II BGB nicht anwendbar ist. Der Erwerb des Eigentums durch L nach §§ 929, 932 BGB scheitert an § 935 I BGB.
Aus denselben Gründen scheitert ein Erwerb des Wechsels durch B nach §§ 929, 932 BGB an § 935 I BGB.
Nach Art. 16 II WG hat B gutgläubig Eigentum an dem Wechsel erworben, wenn er durch eine geschlossene Indossamentenkette nach Art. 16 I WG legitimiert ist.
Gegen einen solchen Erwerb spricht nicht die von V im Namen des K vorgenommene Indossierung des Wechsels an L. Zwar handelte V als vollmachtlose Vertreterin, auf Vertretungsmacht kommt es aber nach Art. 16 I WG nicht an.
Weder war B der Mangel des Begebungsvertrages bei Erwerb bekannt, noch hat B den Mangel grob fahrlässig nicht erkannt. B hat den Wechsel gutgläubig erworben, Art. 16 II WG.
3. Wechselverpflichtung:
Die Wechselverpflichtung entsteht durch Skripturakt und Begebungsvertrag. K, der selbst keine Verträge geschlossen hat, kann von V vertreten worden sein oder aus Rechtsschein haften.
&#61664; Vertretung des K durch V:
Stellvertretung beim Skripturakt setzt voraus, dass sich das Vertretungsverhältnis unmittelbar aus der Wechselurkunde ergibt. Die Zeichnung des Wechsels durch V unter Firmenstempel von K gilt als Zeichnung in Vertretung von K.
Für den Begebungsvertrag können Umstände herangezogen werden, die sich nicht aus der Urkunde begeben. V handelte als Vertreterin ohne Vertretungsmacht, weil weder eine Handlungsvollmacht noch eine Ladenvollmacht zur Begründung der Wechselverbindlich-keiten ermächtigt, §§ 54 II, 56 HGB.
K hat die Zeichnung des Wechsels durch V nicht nach §§ 177 I, 184 I BGB genehmigt, vielmehr hat K die Genehmigung durch Verweigerung der Zahlung endgültig verweigert, [**§ 133 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__133.html). V hatte keine Vertretungsmacht, ein Begebungsvertrag zwischen L und K ist nicht zustande gekommen.
Eine Haftung von K aus Rechtsschein setzt voraus, dass K oder ein von K bevollmächtigter Vertreter durch Begebungsvertrag oder durch Skripturakt einen Rechtsschein gesetzt hat. Weil K nicht selbst und V als vollmachtlose Vertreterin gehandelt hat, scheidet eine Haftung von K aus Rechtsschein aus.
K haftet nicht aus dem Wechsel.
Revision [d0c5aa4]
Bearbeitet am 2013-07-06 10:29:41 von PiaLaufkoetter
ADDITIONS
** _<span style="color:black">Hier geht es zurück zum Thema</span> [Handelsrecht und Stellvertretung](UR1HRStellvertretung) <span style="color:black">oder zur</span> [Gliederung der Vorlesung Unternehmensrecht 1](Unternehmensrecht1) <span style="color:black">.</span>_ **
DELETIONS
<span style="color:black">Hier geht es zurück zum Thema [Handelsrecht und Stellvertretung](HRStellvertretung) oder zur [Gliederung der Vorlesung Unternehmensrecht 1](Unternehmensrecht1).</span>
Revision [89b7e01]
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ADDITIONS
# <span style="color:black">Fallbeispiele</span>
### <span style="color:black">Handelsrecht und Stellvertretung</span>
#### <span style="color:black">Fälle:</span>
##### <span style="color:#088A08">Fall 1:</span>
A, der einen Spielwarenladen betreibt, hat dem P Prokura erteilt. Die Prokura ist im Handelsregister eingetragen. Als P wiederholt für A Kinderspielzeug bestellt, das sich als unverkäuflich erweisen, untersagt A dem P den Einkauf, sofern die jeweilige Einkaufssumme 10.000,- überschreitet. Wenig später kauft P beim Großhändler G im Namen des A 100 Spielzeugautos. P offenbart in diesem Zusammenhang dem G die Beschränkung der Prokura, woraufhin dieser zwei Verträge über je 50 Autos zu je 6.000,- anfertigt, die P unterschreibt. G verlangt von A Zahlung von insgesamt 12.000,- und Abnahme der Spielzeugautos.
##### <span style="color:#088A08">Fall 2:</span>
Der Auszubildende A verkauft im Philateliegeschäft des K ohne dessen Zustimmung eine Serie altdeutsche Briefmarken für 400 &#8364; an den Sammler S. Im Gegenzug möchte S zwei englische Marken mit schönem Motiv aus dem Jahr 1898 aus seiner Sammlung für 150 &#8364; verkaufen. A nimmt dieses Angebot an, worauf S 250 &#8364; in bar entrichtet. K, der schon häufiger Scherereien mit S wegen zweifelhafter oder mangelhafter Ware hatte, ist mit dem Ankauf der Briefmarken durch A nicht einverstanden. Er geht auch davon aus, dass der Wert der englischen Briefmarken unter 80 &#8364; liegt. Er fordert von S die Rückgabe der Serie altdeutscher Briefmarken, wenigstens aber die Zahlung von 150 &#8364;. S meint, zur Zahlung nicht oder nur gegen Rückgabe seiner englischen Briefmarken verpflichtet zu sein.
##### <span style="color:#088A08">Fall 3:</span>
3. (zur Vertiefung) In Abwesenheit des Geschäftsinhabers K überbringt Lieferant L Ware, die K bei L bestellt hatte. Anwesend ist nur die Angestellte V, der K Handlungsvollmacht erteilt hat. Weil L auf sofortige Bezahlung besteht, indossiert V mit eigenem Namen unter dem Firmenstempel des K einen Wechsel über den geforderten Betrag von 5.000,-. Den Wechsel hatte K von seinem Großkunden G indossiert bekommen. Der Wechsel ist an Order des G gezogen und weist X als Bezogene und Akzeptanten aus. L indossiert den Wechsel an B. Als B am Fälligkeitstag den X aus dem Wechsel in Anspruch nimmt, kann X nicht zahlen. Nach Wechselprotest nimmt B den K aus dem Wechsel in Anspruch. (alle Fälle nach Saar/Müller, 35 Klausuren aus dem Handels- und Gesellschaftsrecht, 3. A. 2006).
#### <span style="color:black">Falllösungen:</span>
##### <span style="color:#088A08">Fall 1:</span>
_G könnte einen Anspruch auf Zahlung von insgesamt 12.000,- und Abnahme der Spielzeugautos aus § 433 II BGB gegen A haben._
>>**A. Anspruch entstanden?**

>>>**1. Angebot von G ( + )**

>>>>**a. Erklärung zum Abschluss von 2 Kaufverträgen**
>>>>**b. Vertragsinhalt: je 50 Spielzeugautos zum Preis von 6.000,- &#8364;**

>>>**2. Annahme des Angebots durch P - Willenserklärung des P gegenüber G im Namen des A [§ 164 BGB](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__164.html) ( + )**

>>>>**a. Prokura des P ( + )**
>>>>**b. durfte Geschäft annehmen**

>>>**3. Anspruch ( + )**

>>**B. Anspruch untergegangen?**

>>>**1. Prokura des P gemäß § 48 I HGB ( + )**

>>>>**a. Beschränkung ( + )**
>>>>**b. einheitliche Geschäfte - Beschränkung auf 10.000,- &#8364; [§ 133 BGB](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__133.html)**

>>>**2. Verträge über je 6.000,- &#8364;**

>>>>**a. wird als einheitliches Geschäft gewertet**
>>>>**b. Geschäft: 12.000,- &#8364; > 10.000,- &#8364; Beschränkung**
>>>>**c. P hat keine Befugnbis zu Geschäft im Innenverhältnis**

>>>**3. Anspruch ( - )**

>>**C. Anspruch trotzdem durchsetzbar?**

>>>**1. Beschränkung des Umfangs der Prokura nicht gegenüber Dritten durchsetzbar [§ 50 Abs. 1 HGB](http://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__50.html)**

>>>>**a. G wusste nicht von Beschränkung ( - )**
>>>>**b. Sachverhalt: Beschränkung der Prokura durch A bekannt**
>>>>**c. Erklärung des P gemäß 164 Abs. 1 BGB ( - )**
>>>>**d. Kaufvertrag ( - )**

>>>**2. Anspruch ( - )**

_G hat somit keinen Anspruch auf Zahlung von insgesamt 12.000,- und Abnahme der Spielzeugautos aus § 433 II BGB gegen A._
2. Fall
Ansprüche des K gegen S
I. Anspruch des K gegen S auf Rückgabe und Rückübereignung der altdeutschen Briefmarken aus § 812 I 1 Var. 1 BGB
1. S hat Besitz und Eigentum an den Briefmarken durch Leistung von K erlangt.
2. Als Rechtsgrund kommt ein Anspruch von S gegen K aus § 433 I BGB in Betracht.
S hat eine Erklärung zum Abschluss eines Kaufvertrages mit K abgegeben.
K hat keine Erklärung abgegeben. A hat eine eigene Erklärung namens des K abgegeben, § 164 I BGB. Weil A mit Wissen und Wollen von K in dessen Laden verkaufsbezogen tätig ist, handelte A als Ladenangestellter, [**§ 56 HGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__56.html). Der Verkauf von Briefmarken ist im Laden von K üblich, so dass A zum Abschluss des Vertrages mit S ermächtigt ist.
Es besteht kein Anspruch von K gegen S auf Rückgabe und Rückübereignung der altdeutschen Briefmarken aus § 812 I 1 Var.1 BGB
II. Anspruch des K gegen S auf Zahlung von 150 &#8364; aus § 433 II BGB
1. Die Forderung von K gegen S aus einem wirksam geschlossenen Kaufvertrags über die altdeutschen Briefmarken i.H.v. 400 &#8364; ist im Umfang von 250 &#8364; durch Erfüllung erloschen, § 363 I BGB.
2. Die restliche Kaufpreisschuld im Umfang von 150 &#8364; könnte infolge einer Aufrechnung (§§ 398 ff. BGB) durch S erloschen sein.
a) Zwischen S und K besteht eine Aufrechnungslage, wenn S gegen K eine Geldforderung hat, [**§ 387 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__387.html).
aa) S hat ein Angebot zum Abschluss eines Kaufvertrages mit K über die Lokomotive gegenüber A abgegeben. Das Angebot des S ist K nach §§ 164 II BGB, 56 HGB zugegangen.
K hat die Annahme des Angebots nicht erklärt.
bb) A, der das Angebot des S namens des K angenommen hat, war zur Annahme nicht nach [**§ 56 HGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__56.html) berechtigt, weil die Vorschrift nicht für Ankäufe gilt und insofern auch nicht analogiefähig ist. Eine Ermächtigung des A nach § 54 I Var. 3 HGB durch K ist nicht ersichtlich, weil K dem A den Ankauf gebrauchter Ware nicht übertragen hat.
Mangels Vertretungsmacht wirkte die Annahme durch A nicht nach § 164 I BGB gegenüber K.
cc) K hat das Vertretergeschäft nicht genehmigt, [**§ 177 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__177.html).
b) Zwischen S und K ist kein Kaufvertrag über das Modell zustande gekommen.
c) Mangels Aufrechnungslage ist S nicht nach [**§ 398 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__398.html) im Umfang von 150 &#8364; von der Kaufpreisschuld befreit.
K hat einen Anspruch gegen S auf Zahlung von 150 &#8364; aus § 433 II BGB.
Anspruch S gegen K
III. Anspruch von S und K auf Übergabe und Rückübereignung der englischen Briefmarken nach § 812 I 1 Var. 1 BGB
K hat Eigentum und Besitz an den Briefmarken durch Leistung von S erlangt. Die Übereignung geschah nach §§ 929 S. 1, 855 BGB, wobei A insoweit nach [**§ 56 HGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__56.html) als ermächtigt galt.
Weil zwischen K und S ein Kaufvertrag über die Briefmarken nicht zustande gekommen ist, hat K Eigentum und Besitz ohne Rechtsgrund erworben.
S hat gegen K einen Anspruch auf Übergabe und Rückübereignung der englischen Briefmarken aus § 812 I 1 Var. 1 BGB.
Fall 3:
B könnte einen Anspruch auf Zahlung von 5000,- aus dem Wechsel gegen K aus Art. 43 WG haben.
1. B hat einen formgültigen Wechsel in Besitz.
2. Voraussetzungen des Rückgriffs:
Der Wechsel wurde dem G nach Art. 43 I, 38 I WG ordnungsgemäß zur Zahlung vorgelegt. Weil G nicht gezahlt hat, ist der Wechsel nach Art. 43 WG Not leidend.
B hat nach Art. 44, 53 I WG rechtzeitig förmlichen Protest erhoben.
B ist materiell berechtigt, wenn er Eigentümer des Wechsels ist.
Eigentümer des Wechsels war ursprünglich der Aussteller G. G hat das Eigentum nach § 929 S. 1 BGB auf K übertragen.
Der Wechsel kann nach § 929 S.1 BGB an L übereignet worden sein. V und L haben sich über den Eigentumsübergang geeinigt, wobei V im Namen des K gehandelt hat. V war jedoch weder nach § 54 II HGB noch nach [**§ 56 HGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__56.html) zur Übereignung des Wechsels ermächtigt.
Ein Erwerb des Eigentums durch L nach §§ 929, 932 BGB tritt nicht ein, wenn der Wechsel dem K nach § 935 I BGB abhanden gekommen ist, § 935 I 1 BGB. Das ist der Fall, wenn K den Besitz ohne oder gegen seinen Willen verloren hat. Zur Zeit der Hingabe hatte nur V Zugriff auf den Wechsel; weil V Besitzdienerin ist, war jedoch nur K Besitzer, §§ 854 I, 855 BGB. Mit der Übergabe an L durch V, ist dem K der Wechsel abhanden gekommen. § 935 I BGB findet wegen § 935 II BGB bei Inhaberpapieren keine Anwendung. Der blanko indossierte Wechsel kann wie ein Inhaberpapier übertragen werden; ein solcher Wechsel ist aber ein Orderpapier, so dass § 935 II BGB nicht anwendbar ist. Der Erwerb des Eigentums durch L nach §§ 929, 932 BGB scheitert an § 935 I BGB.
Aus denselben Gründen scheitert ein Erwerb des Wechsels durch B nach §§ 929, 932 BGB an § 935 I BGB.
Nach Art. 16 II WG hat B gutgläubig Eigentum an dem Wechsel erworben, wenn er durch eine geschlossene Indossamentenkette nach Art. 16 I WG legitimiert ist.
Gegen einen solchen Erwerb spricht nicht die von V im Namen des K vorgenommene Indossierung des Wechsels an L. Zwar handelte V als vollmachtlose Vertreterin, auf Vertretungsmacht kommt es aber nach Art. 16 I WG nicht an.
Weder war B der Mangel des Begebungsvertrages bei Erwerb bekannt, noch hat B den Mangel grob fahrlässig nicht erkannt. B hat den Wechsel gutgläubig erworben, Art. 16 II WG.
3. Wechselverpflichtung:
Die Wechselverpflichtung entsteht durch Skripturakt und Begebungsvertrag. K, der selbst keine Verträge geschlossen hat, kann von V vertreten worden sein oder aus Rechtsschein haften.
&#61664; Vertretung des K durch V:
Stellvertretung beim Skripturakt setzt voraus, dass sich das Vertretungsverhältnis unmittelbar aus der Wechselurkunde ergibt. Die Zeichnung des Wechsels durch V unter Firmenstempel von K gilt als Zeichnung in Vertretung von K.
Für den Begebungsvertrag können Umstände herangezogen werden, die sich nicht aus der Urkunde begeben. V handelte als Vertreterin ohne Vertretungsmacht, weil weder eine Handlungsvollmacht noch eine Ladenvollmacht zur Begründung der Wechselverbindlich-keiten ermächtigt, §§ 54 II, 56 HGB.
K hat die Zeichnung des Wechsels durch V nicht nach §§ 177 I, 184 I BGB genehmigt, vielmehr hat K die Genehmigung durch Verweigerung der Zahlung endgültig verweigert, [**§ 133 BGB**](http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__133.html). V hatte keine Vertretungsmacht, ein Begebungsvertrag zwischen L und K ist nicht zustande gekommen.
Eine Haftung von K aus Rechtsschein setzt voraus, dass K oder ein von K bevollmächtigter Vertreter durch Begebungsvertrag oder durch Skripturakt einen Rechtsschein gesetzt hat. Weil K nicht selbst und V als vollmachtlose Vertreterin gehandelt hat, scheidet eine Haftung von K aus Rechtsschein aus.
K haftet nicht aus dem Wechsel.
<span style="color:black">Hier geht es zurück zum Thema [Handelsrecht und Stellvertretung](HRStellvertretung) oder zur [Gliederung der Vorlesung Unternehmensrecht 1](Unternehmensrecht1).</span>